Schwarzes Loch

Mission "Schwarzes Loch" - Vorderrhein (Eine Momentaufnahme) - 17.06.2006

Rechts an der ersten großen Walze vorbei, links an der zweiten noch größeren Walze vorbei, dann hart rechts rüber und an den großen Blöcken rechts vorbei. So unser Plan. Ich vorweg, Marcus hinterher. Und los.

Ich bin seit Monaten nicht mehr ernsthaft gepaddelt, aber das hier ist definitiv zu machen. Die beiden offensichtlichen Linien - stur rechts oder stur links - sind mir zu simpel, so dass ich eine etwas anspruchsvollere wähle. Dieser "flotten Dreier" macht so einfach mehr Spaß.

Rechts an der ersten großen Walze vorbei - alles nach Plan.

Wir sind zu zweit unterwegs, würden beim Schwimmen und Bergen also vermutlich die Hilfe anderer Paddler auf dem Bach annehmen, was die Sache zwar erleichtern würde, aber auch irgendwie peinlich ist.

Der Funkey, den ich seit Jahren nicht mehr gefahren bin, taucht ganz schön tief ein. Wo genau ist eigentlich die zweite Walze? Ah, da kommt sie. Alles im Griff.

Lindsay guckt uns vom Ufer aus zu. Dann werden wir ihr jetzt mal eindrucksvoll vorführen, dass Wildwasserpaddeln genauso ungefährlich und kontrollierbar sein kann wie Autofahren - eben je nach dem, wie man fährt. Ok, jetzt bitte Fokus auf den Moment, der Richtungswechsel kommt gleich.

Ganz schön schnelle Strömung hier, lieber etwas näher an der Walze vorbei, damit ich auf jeden Fall das Queren vor den Blöcken schaffe. Oha, so nah vielleicht doch nicht. Ach wurscht, dann knall ich einfach am Rand durch, wird schon gehen. Hauerha, ist das ein dickes Ding! Vom Ufer aus hat's anders ausgesehen. Über die Kante, hektischer Boof in den Schaum, kräftiger Druck auf's Heck, Bug vor blauem Sommerhimmel.

Kleinhirn: "Oh nein, nicht schwimmen." Einnehmen der Nahkampfposition, Rückwärtsüberschlag in die tiefe Kerbe, wildes Rütteln und Schütteln. Großhirn: "Wieso eigentlich schwimmen? Wir könnten doch auch Rollen. Luft haben wir auch noch. Erstmal abwarten." Das aktive Verdrängen des Aussteigeszenarios und das gezielte Visualisieren der Rolle sowie das permanente Abwägen zwischen Luftreserve für's Schwimmen und dem Warten auf eine ruhigere Gelegenheit zum Rollen, die vielleicht aber nie kommt, weil ich nicht aus der Walze ausgespuckt werde, vertreibt mir die nächsten zwanzig Sekunden die Zeit. Eigentlich ist es aber erstaunlich unaufregend.

Es wird ruhiger! Zack rollen, spotz schüttel wo bin ich, ach hier, wo sind die Klötze, ach dort na dann ist ja gut. Ich beschäftige mich mit den restlichen kleineren Felsen der Durchfahrt und schlinge dann kichernd und lachend in das Kehrwasser hinter der Kiesbank ein. Jetzt stelle ich doch etwas Adrenalin und so langsam auch Endorphine fest. Hier treffe ich Marcus; er hat meinen unfreiwilligen Stunt in der Walze gesehen und sich darum spontan dafür entschieden, sich in der anderen Durchfahrt vermöbeln zu lassen. Die offizielle Begründung für seine Rolle: Er hat sich nach mir umgesehen und der Stein hat ihn quasi hinterrücks heimtückisch angesprungen. Lindsay hält sich die Augen zu und schielt zwischen den Fingern durch zu uns herüber - sie hat direkt vor uns einen Schwimmer etliche Runden im Rücklauf meiner Walze drehen sehen, bevor es ihn ausgespuckt hat.

Zwei Flips, zwei Rollen, Sommer, Sonne, netter Fluss... wir genießen die restlichen Kilometer und sitzen danach mit Nicole und Lindsay im Biergarten. So läßt sich's leben! Wir sind uns sicher: Im Grunde haben wir alles richtig gemacht. Nur das mit dem kontrollierbaren Wildwasserpaddeln müssen wir Lindsay nochmal genauer erklären... der nächste Bach kommt bestimmt!

Einen schönen Sommer Euch allen und viele tolle Flußerlebnisse!

Grüße aus München

Matthias

 

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