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Ein 21er Chicken McNuggets

Mission "Ein 21er Chicken McNuggets, bitte!" oder "Das, was wir eigentlich NICHT fahren wollten" - Rosenheim - März 2002

1. Akt:

(Clausthal im Prüfungszeitraum März-April 2002; -2°C bis +2°C Schneeregen; viele gelangweilte Studenten)

Das Telefon klingelt, ein Anruf von Marcus aus Bonn. Er berichtet Rike nicht nur von seinen neusten Karnevalsbekanntschaften, sondern auch von der Möglichkeit in Rosenheim einen gebrauchten Kendo zu kaufen. Den Verkäufer beschreibt Marcus als besonders netten"Kanudinosaurier", der uns gleich zu einer Probefahrt eingeladen hat.

Für ein Wochenende bis in den Süden Deutschlands??? Da fällt einem nur einer ein: HD, immer Lust zu paddeln und ein Auto, dass bis zu 7 Personen und 5 Boote uns schnell überall hinbringt.

Trotz oder vielleicht doch gerade wegen des Prüfungszeitraums haben sich von den RainRiders nur HD, Rike und Claus entschlossen mitzufahren.

Nach zwei Wochen ungeduldigem Warten, folgte etwa eine Woche sporadische Diskussion darüber, welche Bäche man denn dann da fahren könnte. In deren Verlauf sagen Claus und Rike ziemlich deutlich, dass sie keine Lust haben so weit zu fahren, um dann nur Saalach Au- Unken oder Entenlochklamm zu paddeln (da hatten wir schon im Sommer genug von, wegen Niedrigwasser).

Nun ist nur noch die Frage offen, wer in welchem Auto und mit welchem Boot fährt. Marcus sucht noch Mitfahrer aus der Umgebung von Bonn, wobei sein Erfolg und die geplante Abfahrtszeit den Clausthalern schleierhaft bleibt.

Sicher ist nur, dass ein "unnützes Mädel" mitfährt (paddelt nicht, hat keinen Führerschein)" (Zitat e-mail HD). Im Harz ist gerade noch Hochwasser und da das Wochenende noch immer zu weit weg ist, paddeln HD, Patrick und Claus am Donnerstag, dem Tag vor der Abreise noch mal auf der Oker. Danach ist die Bootsfrage geklärt. Claus hat seinen NANO unter realen Bedingungen getestet und entschieden ihn Zuhause zu lassen (war eine Idee der 2ten Wahl). HD nimmt neben dem dicken Hurry auch den Quadro mit. Und Rike halt den allrounder Kampffisch.

Naja hin und her aber am Abend gibt Marcus grünes Licht, die Wasserstände seien in Ordnung. Die Abfahrtszeit in Clausthal will HD am Freitag morgen verkünden.

2. Akt:

(Clausthal; Freitag 11:42 Uhr; 3C, Schauer)

Mail von Claus an Rike: "Was HD unter "morgen früh" versteht, müssen wir ihn nochmal fragen!"

3. Akt:

(München; 12C, Mondschein; Ferienstimmung)

Wir sind um ca.16.30h abgefahren. HD hatte sich dann doch noch vor 12 Uhr (11:59 Uhr) gemeldet.

Bei einem Kontrollanruf aus der Nähe von Würzburg stellte sich raus, dass auf Grund eines klassischen Komunikationsfehler einiger TeleKOMUNIKATIONS-Spezis (aus "es geht um 18 Uhr los" wurde dann "es geht um 8 Uhr (PM) los ), die "Bonner" noch nicht losgefahren waren. Da wir unterwegs nur ca 5 Minuten lang unter dem SLO-Klassiker "falling-down- Berger" auf der A3 gelitten haben, sind schon um 21:30h die Schlafsäcke ausgerollt. Wir entscheiden, wenn wir schon im Nobelbereich Münchens übernachten (Dank an Ira und Wulf), auch noch schnell ins Kino zugehen. ALLE Boot aus Langeweile ins Auto zu laden und dann noch dank DSL-Flat im WEB zu surfen (Zitat Matthias im ICQ um 00:25: "Wie machst Du das denn, jetzt online zu sein?! Ich denke Du bist im Urlaub?! Oder ist da Anja? Gruß,? Matthias").

4. Akt:

(Langenpfunzen bei Rosenheim; Samstag 9:30 Uhr; Sonnenschein 13C)

Um 8:00 Uhr haben wir angefangen einen Weg aus München zu suchen (ohne vorher wie von Marcus empfohlen ein Visum für Oberbayern zu beantragen).

Naja, wir haben es voll im Zeitplan auf die A8 fix nach Rosenheim geschafft, und ein paar Kreisel weiter sind wir bei den Brötchen, Birgit, Kanudinosaurier Wilfried, dem Kendoweibchen und dem Golfrest ("Bonner" minus 1, Carsten (Dagger Honcho) hatte seine Freundin ("unnützes Mädel...") bei Bekannten in Rosenheim übers Wochenende geparkt - auch eine Idee der 2ten Wahl). Und dann hatten wir da plötzlich auch noch einen Peter (Dagger EGO).

Eigentlich sind wir ja mutig an die Sache rangegangen und der Typ Vorort scheint kompetent (von wegen Teufelsschlucht oder Brandenberger geht schon), doch beim gemütlichen Frühstück sticht nicht nur Marcus HD damit aus, dass sein Auto mit Booten auf dem Dach 5 km/h schneller fährt ( 190 km/h zu 195 km/h), sondern wir müssen auch noch zur Kenntnis nehmen, dass leider außer Saalach doch nichts in der Umgebung genügend Wasser hat. Und wir beschließen also doch Au bis Unken zu fahren.

5. Akt:

(An der Saalach; 17C, Sonnenschein)

Um dann doch noch etwas Spannung zu gewinnen, beschließen wir etwas höher, am Ende der Teufelsschucht einzusetzten, etwa 150 m oberhalb dessen, was Marcus und Rike doch arg zum Begucken einlädt. Claus mit seinem Ozeandampfer ist zufrieden, Carsten und Marcus schon etwas porös, Wilfried trägt halt seinen Gatto und HD seinen Quadro (noch) ohne Sorge oder Bedenken zum Einstieg. Rike hält sich vornehm zurück. Dann geht es los und irgendwie hat fast jeder genug mit sich selbst zu tun. HD wundert sich, das sein superleichtes Paddel so wenig Massenträgheit hat, das es sich anfühlt wie nicht vorhanden. Auch der Quadro hat irgendwie in der Strömung den Drang zu verschwinden, sobald eine Welle größer als 7 cm vor dem Schiff auftaucht. Unverhofft sind wir dann auch schon an einer Stufe, die zwar alle halbwegs problemlos runterdümpeln, aber das Spielen darin bleibt nur einigen vorbehalten:

Wilfried macht mit dem GATTINO eifrig Rückwärtsüberschläge, Peter einige "Mystery Moves" (an dieser Stelle ist es wohl schon mit Kendo's möglich gewesen sich auf den Grund ditschen zu lassen) und Rike ist so mit dem Kehrwassern beschäftigt, das sie diese "jetzt- verschwindet-Peter-mal-wieder" gar nicht mitbekommt. Auch Marcus kann es nicht lassen (wenn Claus mit nem Kendo da wieder raus kommt...) und wird gut aufgemischt. HD ist eigentlich schon zufrieden, das er sich das ganze einigermaßen stabil angucken kann. Danach gibt es dann noch was kniffliges (so wie das erste Ding auf der Abseilstrecke, nur unterspülter und wuchtiger), was aber 2 Schlitze als Bypass anbietet, was Claus und HD pronto nutzen. Rike und Marcus haben da jedoch gerade das spontane Bedürfnis, die Boote etwas spazieren zu tragen.

Weiter unten wird es dann doch deutlich sicherer, da gibt es dann doch diverse "Winke- Winke"-Stellen zum Unterschneiden bzw. Spielen. Unsere Erwartungen an "Au bis Unken" bei Niedrigwasser wurden weit übertroffen, es hat viel Spaß gemacht.

 6. Akt

(Abend im Lofer-Land; hungrig; müde; Mondschein)

Wilfried und Birgit zeigen uns zwei Wild-Schlaf-Optionen, bevor wir nach 5 Parkplatzstops ein gutes Restaurant finden, welches nicht zu teuer und offen ist, warmes Essen aber nicht nur Fisch anbietet, ausreichend Platz für 8 Leute hat und in den Alpen liegt. Das Essen war gut. "tele.ring(A07) wänscht einen angenehmen Aufenthalt!" Nach dem Essen verabschieden wir uns von Birgit und Wilfried (vielen Dank noch mal für den tollen Tag!).

Wir entscheiden uns für den Lagerplatz "Am Wasserfall". Dort wird dann der Sharan zum Großzelt (d.h. wir sitzen und saufen zu sechst im "Kofferraum"), auch irgendwie merkwürdig.

Man kann hinten auch zu dritt schlafen, jedoch wie Rike sich später ausgedrückt hat: "Man muss sich schon sympathisch sein... ". HD schlussfolgert daraus: "Sardinen in der Dose sollten sich höchst sympathisch sein, sonst platzt jede Dose." (Also Beni aufgepasst!!!) Aber es passt! Sicher wäre es noch bequemer gewesen, wenn HD nicht von den eh schon sparsamen 120 cm die Hälfte für sich frei gedrängelt hätte...

7. Akt:

(Wasserfall am Sonntag morgen; Sonnenschein)

(Noch) Nicht erwischt worden, soweit so gut. Nun ist die allgemeine Meinung "Saalach war ganz nett, aber heute soll es was anderes sein". Als einzig Fahrbares fällt uns das zweite "Das wollen wir eigentlich nicht fahren", der Duck-Hole-Canyon ein. Nach dem Paddeln muß ja das "unnütze Mädel..." noch aus Rosenheim abgeholt werden, so dass der Aktionsradius eingeschränkt ist.

Zum Running-Gag wird die Tatsache, dass Marcus sich nicht merken kann, wie die Frau heißt mit der er am Montag ein Date hat.

8. Akt:

(Landstraße; irgendwo in Deutschland oder Österreich; Sonnenschein)

Wir fahren eine Stunde bis zur vermeintlich erlaubten Einsatzstelle, sind entsetzt über die Leichtigkeit (heftigstes Zahmwasser), bis Rike den schwersten Fehler des Wochenendes macht: NACHDEM WIR ABGELADEN UND ALLES PARAT GELEGT HABEN, MUESSEN WIR EIGENTLICH NUR NOCH DEN AUSSTIEG FESTLEGEN, da ließt sie im Buch, das wir hier in diesem Monat gar nicht paddeln dürfen. Hurra, alles wieder einpacken und zurück Richtung Au. Nach einer kurzen Diskussion welches Auto Karte lesen muss, liefern sich Marcus und HD ein "Rennen" auf der Landstraße. Carsten schimpft. Über diesen Spaß tritt dann das Kartelesen wohl in den Hintergrund jedenfalls finden wir den richtigen Ausgang aus Reit im Winkel nicht, so geht es immer im Kreis um den Marktplatz. Bald kennt uns jeder.

Nicht alle sind -dann wieder auf freier Landstraße- so schnell wie wir. Marcus überholt drei Wagen auf einmal, wir kommen im Sharan nicht daran vorbei, bis das Telefon klingelt und Marcus sagt: "hinter dem Rettungswagen ist die Straße lange Meter frei". Wir können den Golf schon nicht mehr sehen, aber den uns entgegen kommenden Krankenwagen...

9. Akt:

(an der Saalach; Sonnenschein)

Schon um 14 Uhr sind wir auf dem Wasser. Dann halt das Bekannte, jedoch ohne Mystery Moves und so, einfach nur runtergespielt. Anschließend Abschied von den "Bonnern", die in Langenpfunzen noch eine vergessene Jack Wolfskin Tasche und in Rosenheim ein "unnützes Mädel" abholen müssen.

Danach sind wir noch mal fix nach Lofer hoch, Hubertus begrüßt und die Siphons in der Teufelsschlucht bewundert.

10. Akt:

(Autobahn im Tiefflug; Sonnenschein ;-) )

Wir brauchen 6:30h von Lofer zurück nach CLZ, inklusive Tanken (Auto bei Aral, Menschen bei BurgerKing). Die "Bonner", eine Stunde vor uns abgefahren sind erst zwei Stunden nach uns zu Hause.

Mission "So billig wars dann doch nicht..." - Philosophische Einsichten von der BOOT - Februar 2002

Zur BOOT 2002 gehts heute! Guter Laune treffen wir uns um 0620 auf dem Cafetenparkplatz zur Abfahrt. Michael und Sven stellen fest, dass sie eigentlich auch zusammen statt jeder mit seinem Wagen von Heim 9 hätten herkommen können. Um 0700 sind wir mit H.D. und Anja in Goslar verabredet. Da ich Erkältungsmäßig eher ins Bett gehöre mache ich mit Claus noch einen Umweg über die notdiensthabende Apotheke unserer schönen Stadt. Beute: Eine Tüte voll moderner Chemie, welche mir ermöglichen soll, meine geplanten Anschaffungen mit klarem Kopf abzuwägen und durchzuführen. Auf dem Weg nach Goslar wecke ich H.D. per Handy - natürlich streitet er das ab, klar. Bald fahren wir in Svens Golf und H.D.s Sharan richtung Düsseldorf, ich beschäftige mich mit meinem Drogencocktail, während die anderen frühstücken, und wir finden raus, dass die beiden 2-Wege-Babyphone von Anja und H.D. einige Kilometer Reichweite haben und beim Konvoifahren sehr praktisch sind. Vorausgesetzt sie sind eingeschaltet. Mit H.D. als "konvoiführendem" Fahrer, Anja als B-

GPS, mir als Funker und Claus als Claus haben wir sehr viel Spaß. Sven, Beni, Friederike und Michael haben dadurch ein wenig Konfusion. Wie auch immer, wir parken bald auf dem Parkplatz 2 Feld 22 F der Messe Düsseldorf. "Laß doch Platz zum Ausparken!" meint einer von uns zu H.D., als dieser unmittelbar hinter dem Golf anhält. Wir nehmen einen Pendelbus und tauchen ein in die Messe.

Michael will durch die Hallen bummeln und gucken; wir anderen haben mehr oder weniger feste Kaufabsichten. Auf der BOOT kann man Produkte Seite an Seite vergleichen und um Preise feilschen, das haben wir vor. Mein Hauptziel ist ein neues Paddel. Mein Eskimo Akrobat wird langsam alt, ich hätte gern ein zuverlässiges, vielleicht auch ein leichteres, weiter entwickeltes Paddel. Ich werfe ein Lemocin ein und überlege. Es ist ganz einfach, ich muß mir nur kurz über einiges klarwerden: Alu-, Glas-, Kohlefaserschaft? RIM-, Poly- Glasfaser-, Kohlefaser-, Kevlar-Kohlefaserblatt? Blätter aufgesetzt oder Schaft und Blatt aus einem Stück? Geschrumpft oder geklebt? Symmetrisch oder Asymmetrisch? Schaft naß-in- naß oder thermisch ovalisiert? Mehr Kevlar am Rand oder mehr auf der Fläche? Kratzschutz- Decklage gegen Kerbwirkung? 60, 65, 70, 75, 80 Winkelversatz? 202, 200, 198, 196 cm Länge? 1750, 1480, 1300 oder 980 Gramm? Gerade oder Ergo? Und was will ich dafür berappen? Ich stürze mich auf die Herstellerstände und löchere die Repräsentanten. Jeder ist von seinem Konzept überzeugt. Meist bekomme ich fachgerechte Beratung und Erklärung auch auf meine ziemlich detaillierten Fragen. Kunst- und Faserverbundwerkstoffe sind nicht gerade mein Spezialgebiet, aber mit Maschinenbau-Grundlagen, Paddel-Erfahrung und gesundem Menschenverstand kann ich mir ein recht gutes Bild machen. Ich laufe hin und her, wäge die Argumente des einen gegen die des anderen ab und versuche herauszufinden, welches Paddel mir einen guten Kompromiß aus Sicherheit, Fahrspaß und Preis bietet. Nach einigen Stunden haben wir Hunger und beschließen uns zum Essen zusammenzusetzen. Die anderen essen ihre Brötchen. Ich nehme ACC akut und Lemocin. Friederike ist glücklich, sie hat nach fast 2 Jahren endlich eine gute Wildwasserschwimmweste für weibliche Proportionen gefunden! Sven sucht ebenso wie Beni ergebnislos nach einem preiswerten, gutsitzenden, stabilen Helm. Claus liebäugelt mit einem Poly-Kohlefaser-Paddel, welches ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis zu haben scheint, und H.D. und Anja haben eine Schwimmweste für den Nachwuchs ergattert. Besonders H.D. wird heute oft durch die "niedrigen" Euro-Preise dazu animiert, sich Produkte näher anzusehen, sein Interesse wächst, und erst danach stellt er fest, dass es so billig dann doch nicht ist. Naja. So weit, so gut. Zur mentalen Entspannung machen wir einen Abstecher in die Tauchhalle, um wildwassertaugliche Messer zu erstehen. Nach einer Stunde Suchen und einer Dosis Endrine Mild steht für mich fest: Gibt es nicht. Jedenfalls nicht hier. Wir diskutieren darüber hartnäckig. Zurück in der Kanusporthalle gehe ich allen einschließlich Jochen Lettmann stundenlang auf die Nerven mit Fragen zu den verschiedenen Paddeln, die in meine engere Wahl kommen, und versuche nebenbei ehrliches objektives Feedback zu den anvisierten Käufen der anderen zu geben. Ob die Paddeljacke zu eng ist? Naja, ein Kohlefaserblatt hat schon Vorteile...was hast Du gefragt? Es ist schon nachmittags. Entscheidung ist geboten. Noch ne ACC akut.

Ich ertappe mich dabei, dass ich in Gedanken Modelle aus immer höheren Klassen (und Preiskategorien!) miteinander vergleiche. Ob der Euro auch auf mich Einfluß hat? Die reine Vernunftebene liegt schon einige Meter unter mir. Was solls, ich bin Genießer, warum soll ich es nicht einmal riskieren, etwas mehr Geld anzulegen und dafür wahrscheinlich wesentlich mehr Fahrspaß zu erhalten? Ein supersteifes, annehmbar leichtes und dennoch vernünftig stabiles, weil sinnvoll konstruiertes Paddel hat seinen Preis und hält nicht dementsprechend viel länger als eins aus der Mittelklasse. Trotzdem reizt mich der Gedanke ungemein, ich habe von meiner alten Hantel irgendwie doch genug, und meine Fahrtechnik nähert sich so

langsam einigen Grenzen dieses Paddels. Außerdem kann ich hier auf der BOOT einen nennenswerten Preisnachlaß aushandeln. Patrick sollen wir ja auch eins mitbringen! Inzwischen bin ich aber von einem anderen als seinem Traumpaddel so überzeugt, dass ich ihn anrufe und ihm berichte. Seine Wahl ist bald gefallen, prima, und was mach ich? Lemocin. So langsam treffen wir uns alle wieder, und Claus hat so einen nervösen Blick angenommen und schleicht meist um die Paddelständer herum. Bald schon schiebt er mir die Schuld daran in die Schuhe, dass er plötzlich Interesse an einer höherwertigen Kelle hat als noch heute morgen. Dagegen helfen keine Medikamente. In einer halben Stunde schließt die Messe, und ich habe mir bei Lettmann ein bestimmtes Paddel schon zurücklegen lassen. Mein Gehirn und mein Bauch haben einen sehr guten Kompromiß aus Sicherheit und Fahrspaß gefunden. Auf dem Weg zum Parkplatz denke ich darüber nach, dass der Preisfaktor keine so entscheidende Rolle mehr gespielt hat, befinde meine Wahl aber dennoch für gut. Ich werde das Paddel im Schwimmbad testen und mit anderen vergleichen, und falls es mir nicht gefällt, kann ich es wieder zurückgeben. Das finde ich einen sehr fairen Deal. Auch wenn mir irgend etwas in meinem Bauch - wie auch ungefähr 20 kompetente Personen, mit denen ich mich darüber inzwischen unterhalten habe - sagt, dass ich dieses Paddel nie wieder hergeben werde, wenn ich einmal damit gefahren bin...

Mit Michael unterhalte ich mich über dies und das, währen wir nebeneinander den anderen kreuz und quer über den riesigen Parkplatz hinterhertrotten. Aus dem Augenwinkel sehe ich, dass sie endlich unsere Autos wiedergefunden haben. Noch im Gespräch mit Michael merke ich, dass irgendwas nicht stimmt, sie sind irgendwie anders drauf als vorher, und etwas liegt in der Luft. Mein Kleinhirn (vielleicht wars auch die Milz) stellt beim Näherkommen fest, dass der Sharan keine Probleme beim Ausparken haben wird: Svens Golf ist weg. Weg. Nicht mehr da. Luft. Fuck. Ich kapiers nicht. Was passiert hier? Der erste Gedanke, dass die Parkplatzverwaltung den Wagen aus irgend einem Grund abgeschleppt hat, bewahrheitet sich nicht. Auch die Polizei weiß nichts von dem Wagen. Gefrustet und resigniert fahren wir zur Wache, um das Protokoll aufzugeben und Anzeige zu erstatten. Ich nehme Endrine und Lemocin.

Auf der Wache: Nein, wir haben uns nicht geirrt. Nein, bestimmt nicht. Ja, die Wagen standen direkt hintereinander. Ja, genau hier. Natürlich können wir den Wagen beschreiben. Ein alter Golf 3 mit eher wenigen Kilometern, und - Turbodiesel. Wir wissen auch was drin ist: Jacken und so einiges Kleinzeug, was teils schlecht wiederzubeschaffen und teils auch nicht ganz billig ist. Vom Wagen selbst ganz zu schweigen; wer kann schon so mal eben einen neuen aus dem Ärmel schütteln? Wir fassen es noch immer nicht. Der neue Sharan wurde nicht angerührt. Wir erfahren nebenbei, dass heute noch andere Autos vom Messegelände gestohlen worden sind. Es ist eigenartig, wie wenig ich realisiere, was da passiert ist. Sowas beklopptes, wegen so eines alten Wagens das Risiko einzugehen, erwischt zu werden. Sven hilft das natürlich nicht.

Nachdem die Formalitäten erledigt sind und mir der ADAC meine Plus-Mitlied-Anfrage nach logistischer Hilfe generös abschlägig beantwortet beschließen wir, unser Wissen darüber anzuwenden, dass (unter Beachtung diverser Regeln) die einzige Beschränkung der Anzahl der Personen in einem Auto die Zuladung ist und der Fahrer ohne P-Schein maximal 8 Personen plus sich selbst transportieren darf. Wir machen es uns im momentan 5-sitzigen Sharan "bequem" - aaaaaaaah! runter von den Paddeln! - und freuen uns auf die Diskussion mit den üblicherweise nichtinformierten Beamten, die etwa unseren Weg kreuzen sollten. Sicherheitshalber steigen wir nicht direkt vor der Wache ein.

Es ist sehr kommunikativ mit 8 Leuten in einem Auto. Wir reden über tausend Dinge, unter anderem Paddel, das gestohlene Auto, Paddel, kommende Paddelaktivitäten, die Schneeschmelze, Wasserstände, Familienplanung, Karrierestress, Geldfragen, Paddel, Autos, Reisen... bis wir wieder im Harz ankommen. Wir stellen fest, dass es *doch* praktisch war, dass heute morgen Sven und Michael beide von Heim 9 mit dem Auto zur Cafete gekommen sind; jetzt kann Michael Sven mit nach Hause nehmen. Es bleibt ein mulmiges Gemisch aus all den Eindrücken der Produktentwicklungen auf dem Kajakmarkt, der Gespräche und irrsinnig vielen Informationen, die nicht nur ich heute über Paddel erhalten habe, und dem bitteren Beigeschmack eines gestohlenen Autos.

Fazit: Vielleicht wird Dir in Rumänien in Dein Auto eingebrochen. Schon erlebt. Vielleicht stiehlt Dir in Südfrankreich jemand Ausrüstung aus Deinem Wagen. Kennen wir. Aber vielleicht nimmt auch einfach jemand das ganze Auto mit. Und das mitten in Düsseldorf. Been there, done that. Meine Schlußfolgerung: Scheiße passiert, und sie passiert überall auf der Welt. Sogar zu Hause. Laß Dich nicht davon abhalten zu reisen, andere Länder und andere Menschen zu erleben. Du kannst auch im Wohnzimmer von der Deckenlampe erschlagen werden. Und was hast Du dann davon gehabt? In diesem Sinne: Stay in flow.

 

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